Haudegen in Jamel / Unser Zeichen gegen Rechts
Betreff: Eine kleine Zusammenfassung vom 06.August 2011: Nachdem wir uns einige Wochen im Vorfeld sehr über den Auftritt in Jamel gefreut hatten, wussten wir nicht wirklich, was uns in Jamel am 6.8.2011 erwarten würde. Wir haben eine Menge über die Aktivitäten der Familie Lohmeyer gehört und wollten diese mit all Ihren Problemen unbedingt unterstützen. Wir entschlossen uns, in Jamel auf ihrem Festival spielen. Mit der festen Überzeugung, ein klares und deutliches Zeichen zu setzen, machten wir uns also auf den Weg nach Mecklenburg Vorpommern. Schon auf der Reise dorthin fiel uns die massive Plakatierung der NPD auf und wir unterhielten uns über diese fast schon propagandistische Art & Weise. Die Stimmung war im Keller, als wir das Dorf Jamel erreichten. Angst lag in der Luft - man spürte allen dort anwesenden Personen die Angst regelrecht an.
Es hatte den Anschein eines rechtsfreien Raumes, wo jeder (mit rechter Gesinnung) tun und lassen kann, was er will.
Parolen an den Hauswänden, patronierender Skinheads mit Schäferhunden am Ortseingang - ein gespenstisches Bild.
Wir wollten unbedingt die Familie Lohmeyer, die Veranstalter des Festivals, kennenlernen die uns mit herzlichen Worten begrüßten. Das Ehepaar sah sehr abgekämpft aus, wir kamen direkt ins Gespräch. Sie sagten, ihnen fehle die Kraft und die Energie, die allgemeine Situation sei schwierig und sie wären froh, dass wir endlich da seien. Einen Moment hatten wir das Gefühl, als hätten sie auf uns gewartet. So, als ob man auf Jemanden wartet, der ein Problem im Handumdrehen lösen kann. Wir machten kurzerhand klar, dass wir hier sind, um ein ganz klares Zeichen zu setzen: Wir sind gegen jegliche Art von Gewalt, psychische als auch physische, wir verurteilen jegliche Radikalität und jegliche Formen des Extremismus
Dankbarkeit und Freude lagen in der Luft. Wir entschlossen uns, auch sehr zügig anzufangen um klarzustellen, dass wir auf der Seite der Lohmeyers stehen. Die Luftlinie zu den Rechtsextremen, die sich ein Lagerfeuer unmittelbar in Sicht des Hofes der Lohmeyers anzündeten, betrug etwa 100 Meter. Wir wollten spielen, um zu zeigen „Wir sind hier“! Das Konzert begann und wir sangen ein Lied nach dem anderen bis es anfing zu regnen. Wir forderten die Besucher auf, auf die Bühne zu kommen auf der es trocken war. Eine wunderbare Atmosphäre entstand auf der Bühne, ein Zusammenhalt für das Richtige! Wir redeten viel über unsere Ansichten hinsichtlich der bewegenden Situation. Wir sangen und spürten, wie wichtig unsere Stimmen gegen Rechts hier waren. Beendet haben wir unseren Auftritt mit dem Titel „Vernunft“, den wir den Lohmeyers spontan gewidmet haben. Wir sagten zu ihnen am Ende „...hier habt ihr nun ein imaginäres Schwert, damit sollt ihr kämpfen ....und hier habt ihr Flügel...lasst euch eure Freiheit nicht nehmen“.
Uns ging es dabei die ganze Zeit um die Präsenz, wir sind hier und wir sind gegen Rechts. Denn Faschismus ist keine Meinung, Faschismus ist ein Verbrechen.
In diese Sinne, bis zum nächsten Mal bei den Lohmeyers in Jamel.
Eure Haudegen:
Hagen Stoll & Sven Gillert
07.August 2011
Birgit & Horst Lohmeyer: „Wir möchten Haudegen und der ganzen Crew herzlich für den sehr gelungenen Auftritt auf unserem Festival, die perfekte Kooperation was das Organisatorische anbelangt, und ganz besonders für die expliziten Statements der
Musiker für unser Engagement ausdrücken. Sie haben uns und dem Publikum gegenüber keinen Zweifel daran gelassen, dass sie rechtsextremes Gedankengut weder vertreten noch bei anderen billigen“.

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